Hybride Suche

12. Januar 2016
Seit dem Start der Cloud-Strategie von Microsoft und erst recht mit dem immer weiter voranschreitenden Ausbau der Office 365 Dienste und deren verschiedenen Anwendungen (u.a. SharePoint online) sind hybride Szenarien in der Suche ein wichtiger Erfolgsfaktor. 
 
Innerhalb von Unternehmen und deren Informationslandschaft wird es immer gute Gründe und entsprechend mächtige Entscheider geben, die zumindest einen Teil der Informationen und des Wissenskapitals im eigenen Rechenzentrum hinter selbst kontrollierten Eingangstüren und Firewalls wissen möchten… Safe Harbour und Deutsche Cloud hin oder her. 

Suche und Informationsreichweite als Erfolgsfaktor

Was will das Unternehmen? 
Das Unternehmen möchte die Vorteile beider Welten in Aufwand, Kosten, Nutzen und Funktionalitäten unter Einhaltung seiner eigenen Governance und Policies optimal ausnutzen.
 
Was will der Anwender/Mitarbeiter?
Was der Anwender aber eigentlich von einer hybriden Suche erwartet, ist EINE Ergebnisliste, die die relevanten Inhalte aus beiden Content-Bereichen zusammenführt und für den User als eine einheitliche Inhaltsquelle darstellt und verhält. Dabei besteht eine Suchoberfläche aus…
  • Suchergebnisliste 
  • inhaltstypspezifischen Suchergebnisdarstellungen (evtl. mit Preview)
  • Filtern (z.B. Nutzersprache)
  • Navigatoren und Refinern
  • Sortierungsoptionen
  • Paging 
  • Sucheingabemöglichkeit 
  • Suchvorschläge (Autocompletion)
Für den Anwender ist das „Wo“ im Hinblick auf die Plattform weniger entscheidend (für das Unternehmen nicht!). Ihn interessiert vor allem das „Wie“ (er Informationen generieren und ablegen kann) und „Was“ (er an Inhalten erreicht und findet…möglichst relevant und viel).
 
Für das „Wo“ denken wir bei BSS auch über präventiv agierende Anwendungen nach, die dem Nutzer bei seiner Entscheidung zum Ablageort mit Analysen und Vorschlägen unterstützen. Aus Sicht des Anwenders sollten sowieso beide Welten zu einer wahrgenommenen Unternehmensumgebung verschmelzen. Plattform und systemübergreifende Strategien, wie wir sie bei B-S-S mit unserem Produkt appHero ermöglichen sind dafür von zentraler Bedeutung.
 
Das „Wie“ ist für uns eine wichtige Frage bei den ganzheitlichen Konzepten und Anwendungen zum digitalen Arbeitsplatz.
 
Mit dem „Was“ der Nutzer an Inhalten aus beiden Welten in der Unternehmenssuche finden kann, wollen wir uns in diesem Blogbeitrag beschäftigen. Wobei hier natürlich neben den technischen Grundlagen auch das „Wie“ eine entscheidende Rolle für das Nutzererlebnis, die Akzeptanz und damit den Erfolg der Lösung spielt. 

Das Nutzererlebnis in der (hybriden) Suche

„Hybride Suche“ administrativ gelöst
Mit der Bereitstellung und Nutzung der O365 Suchergebnisse als eigene Resultsource werden einige administrative Szenarien möglich, die eine Nutzung der Ergebnisse aus beiden Welten in einem Suchcenter auf Basis des SharePoint Standard gestatten und nicht unbedingt Entwicklungsbudgets voraussetzen. Hierzu die folgenden Überlegungen:
 
Die Suchergebnisliste für die Cloud Resultsource wird ein einem separaten Tab untergebracht und die Top-Hits per Queryrule auf der „All“ Suchergebnisseite platziert. Hierbei wird das Cloud-Searchcenter nicht mit in die Lösung eingebunden, hilft also nur den Anwendern in einer Welt.
 
 
Eine mögliche Alternative wäre, die Top-Hits aus der Query-Rule direkt mit der entsprechenden Suchergebnisseite im Cloud-Searchcenter zu verlinken und so dem Nutzer (mit Gestaltung und Wording entsprechend verdeutlicht) den Wechsel in die Cloud-Welt zu weiteren relevanten Suchergebnissen aus diesem Umfeld anzubieten. Der Rückweg wäre über den umgekehrten Weg möglich (Query-Rule für on Premise Suchergebnisse). 
 
Auch eine Suchcenter Landingpage mit mehreren Suchergebnislisten und Tophits aus den jeweiligen Ergebnisseiten wäre eine Variante, die aber zu den Anwendern und den angestrebten UseCases passen muss.
 
 
Möchte man sich nicht mit einer Query-Rule in die jeweilige relevante und durch ein solides Ranking sortierte Ergebnisliste drängen, wo vielleicht andere spezialisiertere Queryrules bereits definiert sind und deren Ergebnisse für die angezeigten Filteroptionen nicht berücksichtigt werden, bleibt der Weg einer zusätzlichen Spalte für die ergänzenden Ergebnisse aus der jeweils anderen Welt, um den Inhaltszugriff oder eine Navigation zu triggern.
 
Die genannten Szenarien zielen darauf ab, dem Anwender jeweils die Information zu den Top-Suchergebnissen aus dem jeweils anderen Informationspool zu geben, und ihn möglicherweise zu einer Navigation über die beiden Suchcenter hinweg (on Premise / Cloud) zu bewegen.
 
„Hybride Suche“ technisch gelöst
Das Hauptproblem hierbei ist, die Zusammenfügung zweier Suchindexe mit jeweils separatem (und möglicherweise angepasstem) Ranking in eine Suchergebnisliste (Merging) mit einem vereinheitlichten Ranking. Aktuell ist dieser Weg technisch nicht darstellbar.
 
Als gangbare Alternative bleibt die Federierung der beiden separat durchgeführten Suchanfragen. Dabei werden nach einer möglichst cleveren Logik die Inhalte aus beiden Suchergebnislisten in eine gemeinsame Ergebnisliste einsortiert (z.B. Round Robin, 2:1, …). 
 
Hier kommt dann schnell die „Äpfel/Birnen Metapher“ ins Spiel und dem Such-Experten stellen sich leicht die Nackenhaare auf, denn damit verlassen wir die Ebene der objektiven Relevanzsortierung und verwässern diese durch eine Sortierung im vorbestimmten Mischverhältnis. 
 
Aber es kann aus den vorgenannten Gründen eben nicht nach Relevanzkriterien entschieden werden, an welcher Stelle der On-Premise Suchergebnisliste jetzt der relevanteste Top-Hit aus der Cloud-Suchergebnisliste einsortiert werden müsste, oder ob dieser möglicherweise sogar an erster Stelle stehen sollte…und wo die nächsten folgen würden (siehe hierzu auch Blogbeitrag Thomas Müller - Hybride Suche für Office 365 und SharePoint Server - Was wirklich geht).
 
Studien verdeutlichen, dass für den Anwender zu 99 % eigentlich nur die Suchergebnisse der ersten Seite (Positionen 1 bis 10) von Bedeutung sind, und auch wenn diese nach der Federierung technisch nicht einem gemeinsamen Ranking entsprechen, stellen sie doch für den Nutzer die Top-Ergebnisse aus beiden Inhaltswelten dar. Damit hätten wir unser Ziel erreicht, und den Nutzer mit einer Übersicht über die relevantesten Ergebnisse aus beiden Wissensspeichern zu seiner Suchanfrage zufriedengestellt. Das setzt natürlich voraus, dass die Suchen in beiden Welten professionell administriert relevante Ergebnisse basierend auf einer guten Datenqualität liefern.
 
Durchatmen können wir aber noch nicht. Es wird nämlich nochmal interessant, wenn sich der Anwender entscheidet, über die Filteroptionen oder das Paging mit unserer federierten Suchergebnisliste zu interagieren. Zuvor müssen dafür natürlich auch die Filteroptionen (Navigatoren) aus beiden Suchergebnislisten sorgfältig federiert werden. Ein wirklich rundes und zufriedenstellendes Nutzerergebnis stellt sich nur ein, wenn dann auch die Selektion/Deselektion von Filtern und gleichzeitiges Paging von der eingesetzten Logik sicher beherrscht werden und Sonderfälle wie leere Ergebnismengen usw. berücksichtigt sind. 

Whats Next?

Sind in naher Zukunft Entwicklungen angekündigt, die uns die Lösung einer solchen Aufgabenstellung in zukünftigen Projekten erleichtern werden?
 
 
Demnächst wird es den Anwendern Out of the Box ermöglicht, innerhalb des Cloud Suchcenters gleichzeitig die Inhalte der lokalen SharePoint Umgebung mit zu durchsuchen. Hierzu hat aber Microsoft nicht die Königsaufgabe des Mergings zweier Suchergebnislisten und deren Rankings gelöst, sondern die lokalen Inhalte werden direkt mit in die Indexierung der Cloud-Umgebung aufgenommen und so in einen gemeinsamen Suchindex mit einheitlichem Ranking übertragen.
 
Dieser Fakt dürfte aber auch in Zukunft ein „No go“ für die Unternehmen bedeuten, die sich aus den eingangs genannten Gründen strategisch dazu entschieden haben, ihre Informationen zu einem Teil eben nicht in der Cloud-Umgebung verfügbar zu machen. Das gilt dann sicher auch für die Übermittlung von Indexierungsinformationen und den Zugriff darauf in der Online Plattform. 
 
Es bleibt also, weiter die technische Entwicklung zu beobachten und nutzerorientiert clevere und kreative Lösungen zu finden, verschiedenste Anforderungen an die Suchszenarien im Hybriden Umfeld richtig zu analysieren und zu erfüllen.
 

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