Komm raus, du bist umzingelt: So geben Videos ihre Geheimnisse preis

19. Juli 2017
Es ist zum Verrücktwerden: da hat man kürzlich in einem Video eine Aktion von jemandem gesehen und fand sie absolut genial. Natürlich kann man sich später partout nicht mehr an den Titel des Videos erinnern. Nix mit Kollegen-Beeindrucken, schallend Lachen und so. Warum ist die Suche nur auf Textinhalte (Titel, Tags, Keywords) beschränkt? Bild, Ton und Videos sind voller Infos. Wir bei der BSS suchen immer nach Möglichkeiten, nervige Schranken zu durchbrechen. In Sachen Videos-Durchleuchten wurden wir jetzt fündig.
 
Videoindizierung heißt das Zauberwort. Klingt, zugegeben, etwas sperrig und hat rein gar nichts mit der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien und verbotenen Filmchen zu tun. Im Englischen ist das auch gleich viel griffiger: Video Indexer. Den hat Microsoft nämlich kürzlich auf seiner Build2017 präsentiert. Mit dem Tool sollen Videos à la Röntgenblick durchleuchtet werden können. Der Indexer ist zwar noch in einer Preview-Phase, beeindruckt aber schon jetzt mit einer ganzen Reihe an Features. Auf einer Weboberfläche können Sie diese schon mal antesten.
 
 
Für das Tool brauchen Sie nur ein Microsoft-Konto und schon kann‘s losgehen – ohne besondere Vorkenntnisse. Einfach ein Video hochladen oder eine Video-URL eingeben. Et voilà: Der Clip wird analysiert und spuckt einen ganzen Berg an Infos aus.

Was uns das Video damit sagen will

Die Videoindizierung erkennt mittels Face Detection Menschen im Film und markiert die Stellen, an denen sie zu sehen sind.  Bevor Sie jetzt „Datenschutz!“ rufen: Der Abgleich findet nur bei Personen des öffentlichen Lebens statt. 
 
 
Außerdem werden die Äußerungen von Sprechern durch Sentiment Analysis einer Stimmungsanalyse unterzogen.
 
 
Fallen markante Schlagwörter, werden sie mit Speech-to-text-Analysis und Keyword Extraction erkannt und dem Video zugeordnet.
 
 
Obendrein wird für das gesamte Video ein Transkript erstellt. Dafür werden alle gesprochenen und geschriebenen Wörter erfasst und in einer Art Drehbuch präsentiert. Die Apps Speech-To-Text und Image-To-Text sorgen für dieses Kunststück. Der Clou: Sie können das Transkript durch einen Übersetzer auch automatisch in eine andere Sprache übertragen lassen.
 
 
Damit haben Sie das Video endlich beim Wickel. Denn nun bekommen Sie alle darin gesprochenen und geschriebenen Wörter Schwarz auf Weiß serviert. Außerdem können Sie nach Personen, ihren Äußerungen, Begriffen und Schlüsselwörtern suchen.
 
 
Sozusagen als Topping bekommt man zum Video Indexer gleich noch Sprungmarken dazu. Mit diesen Markern werden alle Stellen im Transkript und die vorkommenden Personen verknüpft. Einfach auf einen Satz geklickt und schon spult das Video an die Stelle, wo er geäußert wird. Sie können sich sogar Untertitel aus der extrahierten Niederschrift in beliebiger Sprache direkt ins Video einblenden lassen.
 
All diese Features machen die Jagd nach Informationen künftig noch leichter. Man kann im Transkript sowohl gezielt nach Äußerungen suchen als auch nach bestimmten Sequenzen, Personenkonstellationen oder Ereignissen: „Da ist es, das Jahrhunderttor!“

Wozu soll das gut sein?

Unser Team sucht nicht nur nach neuen technischen Spielzeugen. Wir wollen natürlich genau wissen: Wofür können wir die Sachen verwenden? Was bringen sie unseren Kunden? 
 
Den Video Indexer nutzen wir, um die Suchfunktion auf Plattformen wie Corporate Intranets, Videoarchiven, Videogalerien und Mediendatenbanken drastisch zu erweitern. Dank dieser Technik gewinnen Videostrecken für Unternehmen eine völlig neue Relevanz.
 
Ein gutes Beispiel aus der Praxis ist auch Microsoft Stream. Dieser sogenannte „Enterprise Video“-Service ist wie Youtube für Profis. Sie können hier Firmenvideos hochladen und mit dem Video Indexer so richtig auseinandernehmen. Das eignet sich perfekt, um zum Beispiel die Performance bei Präsentationen, Sessions, Meetings oder Veranstaltungen zu verbessern.
 
Wir sehen bisher nur die Spitze des Eisberges. Der Kreativität sind bei den Nutzungsmöglichkeiten aber keine Grenzen gesetzt. Videoindizierung ist ein nützliches Tool, um aus Bewegtbildern eine Menge Informationen zu gewinnen. Wir sind gespannt, wie das die Lebens- und Arbeitswelt in Zukunft vereinfachen und verändern wird.
 
Haben Sie Fragen? Kennen Sie weitere Techniktrends, die Sie begeistern? Dann hinterlassen Sie uns doch einfach einen Kommentar.
 
 

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