Google Search Appliance (GSA) Migrationsstrategien

12. Februar 2016
Google wird bis 2019 die Google Search Appliance (GSA) vom Markt zurückziehen. Im letzten Artikel dieser Reihe, hatte ich bereits beschrieben, dass GSA Kunden mittelfristig Alternativlösungen benötigen und ihre bestehende Enterprise Search migrieren werden.
 
 
Wenn eine Migration der GSA geplant ist, muss man zunächst nochmals die Gründe betrachten, aus denen sich zahlreiche Kunden für diese Technologie entschieden haben:
 
  • Man bekommt eine All in ONE Lösung inklusive Hardware, die sofort einsatzfähig ist
  • Die im Kern komplexe Technologie ist für den Kunden und den Endanwender sehr einfach zu handeln:
    • Das (von der Google Websuche) vertraute Frontend lässt sich sehr einfach bedienen
    • Es werden perfekt Relevanz gewichtete Trefferlisten geliefert
    • Es sind zahlreiche Konnektoren inkludiert bzw. verfügbar
    • Der Aufwand für die Administration ist vergleichsweise sehr gering
    • Migrationen, Erweiterungen und Updates funktionieren sehr stabil und ohne Downtime
  • Es ist meist kein größeres Projekt nötig, um die GSA zu integrieren
  • Inhalte und Berechtigungen werden problemlos integriert
 
Aus den vorgenannten Gründen lassen sich Kunden in 2 Segmente aufteilen
  1. Diejenigen, die eine einfache, jedoch hervorragende Suchmaschine benötigen, die alles was benötigt wird liefert und quasi per ‚Plug and Play‘ funktioniert. Dieser Kundenkreis nutzt meist sämtliche Komponenten der GSA von den Konnektoren über die stabilen Indexfunktionen bis hin zu den integrierten Benutzeroberflächen.
     
  2. Diejenigen die im Kern ihrer Sucharchitektur einen stabilen hoch performanten und skalierbaren Index benötigen. Diese Kunden nutzen für die Contentintegration und die Suchintegration sehr häufig die von der GSA bereitgestellten Schnittstellen.
 
Für die Kunden des Segment 1 kommt aus meiner Sicht eine Strategie, die sich als ‚complete replacement’ bezeichnen ließe in Frage. Hier kommen als Ersatz, Suchmaschinen in Frage, die ähnlich der GSA über die gewisse ‚Einfachheit‘ in Bedienung, Roll out und Wartung verfügen. Gleiches gilt für die Art der Inhaltsintegration und der Abbildung von Inhaltsberechtigungen. Dabei müssen die Funktionen des Index qualitativ auf höchstem Niveau sein und der Anspruch an Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit den Maßstäben, die die GSA setzt, gerecht werden.
 
Bei Kunden die ich in Segment 2 sehe, ist eine Migration in erster Linie eine Frage des konsequenten Aufbaus einer Sucharchitektur. Bei den meisten der mir bekannten Integrationen ist dies auch der Fall. Bei den Architekturen lässt sich im Allgemeinen durchgängig folgende Struktur erkennen:
  1. Quellsysteme der Daten inklusive deren Berechtigungsverwaltungen
  2. die Integrationsebene für Inhalte mit spezifischen Konnektoren und Crawlern
  3. der Suchindex (z.B. eine Google Search Appliance)
  4. Suchintegration
  5. Anwendungsebene
 
Ein solch konsequenter Aufbau führt dazu, dass sämtliche Anwendungen, die den Suchservice nutzen, von einer Migration nicht oder nur wenig beeinflusst werden. Eine solche Migrationsstrategie könnte man als ‚index exchange‘ bezeichnen, da ein Austausch nur auf Index Ebene nötig ist.
 
 

Index Layer

Ein wirklicher Change wird auf der Ebene des Suchindex erforderlich. Hier ist eine Technologie zu wählen, die die geforderten Ansprüche leisten kann.
 

Content Integration Layer

Die Ebene der Contentintegration wird erfahrungsgemäß einiger Anpassungen bedürfen. Traditionell dient diese Schicht dazu, Daten der angeschlossenen Quellen zu erheben (auch deren Updates und Deletes) und diese im Sinne der definierten Use Cases aufzubereiten und dann der darunterliegenden Suchmaschine zur Verfügung zu stellen. Diese 3 Schritte sind stets Bestandteile klassischer ETL (Extraction Transfer Load) Prozesse. Anpassungen werden im Teilprozess ‚load‘ erforderlich. Hier muss die Contentintegration (und sehr wichtig, ebenfalls die Integration von Contenttberechtigungen) die ‚Sprache‘ der neuen Suche sprechen. Dies ist in der Regel über die Einbindung von API’s problemlos möglich.
 

Search Integration Layer

Die Ebene der Suchintegration muss in der Lage sein, Suchfragen an die Suchmaschine abzusetzen und die Ergebnisse aufzubereiten – also den Dialekt der Suchmaschine zu verstehen. Idealerweise wandelt diese Schicht Suchergebnisse immer in ein einheitliches Modell, das dann von den Anwendungen, die es integrieren, verstanden wird. Dies bietet den Vorteil, dass eine Enterprise Search temporär, oder durchaus nicht ungewöhnlich, dauerhaft auf mehreren unterschiedlichen Indizes basiert. Der Integrationslayer ‚appHero‘ aus dem Hause B-S-S, stellt hier eine mögliche Lösung bereit, da out of the Box bereits zahlreiche Suchmaschinen, unter anderem auch die GSA unterstützt werden.
 
Zusammenfassend sollten vor einer Migration die der Strategie ‚index exchange‘ folgt diese Punkte sichergestellt sein:
  • Aufbau der Enterprise Search Architektur als konsequenter Multilayer Ansatz
  • Ein Change wird auf die Indexebene reduziert. Hier existieren am Markt einige mögliche Alternativen.
  • Auf der Suchseite existiert eine Komponente die die unterschiedlichen Responseformate aktueller Suchmaschinen unterstützt. Ein Beispiel hierfür ist das Produkt appHero 
  • Die Contentintegration sollte möglichst generisch aufgestellt sein. Dies ist auch ohne anstehende Migrationen stets sinnvoll, da sich im Verlauf des Lebens einer Enterprise Search immer wieder die Situation stellt, neue Datenquellen zu integrieren. Sehr zu empfehlen ist hierbei der Einsatz eines der zahlreich am Markt vertretenen ETL Tools. Die Load Stufe des ETL Prozesses muss die (Integrations-)Sprache (Content API) des verwendeten Indexes sprechen.
 

Ausblick

Es ist erkennbar, dass es mindestens 2 Strategien geben wird, um vorhandene GSA Installationen zu ersetzen. Die B-S-S wird ihre Kunden bei den anstehenden Entscheidungen mit ihrem Wissen zielstrebig unterstützen. Welche Technologien für welche Strategien geeignet sind, wird Gegenstand der nächsten Blogbeiträge in dieser Reihe sein.
 

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